Busbetriebe Olten-Gösgen-Gäu

Die Busbetriebe nehmen an Fahrt auf

Die Work-Life Balance war schlecht, zu viele Überstunden, wegen krankheitsbedingter Ausfälle zu wenig Personal und das Konfliktmanagement liess zu wünschen übrig – das waren, kurz gesagt, die zentralen Erkenntnisse aus einer Mitarbeiterbefragung in 2018 bei den Busbetrieben Olten Gösgen Gäu (BOGG). Durch die Brille der 7 Wesenselemente betrachtet, die bestimmend für eine Organisation sind, gab es vor allem Herausforderungen im Bereich «Menschen, Gruppen, Klima». Das Modell der 7 Wesenselemente basiert auf der Systemtheorie und beschreibt Organisationen als umfassende Wesen. Dies bedeutet, dass die einzelnen Elemente nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können. Sie stehen in Abhängigkeit zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ähnlich wie bei einem Mobile, lösen Veränderung in einem Wesenselement immer auch Veränderungen bei den anderen Elementen aus. Das Schaubild macht die gegenseitigen Abhängigkeiten deutlich:

Zwei Sofortmassnahmen schufen zunächst Abhilfe. Der Direktor, Toni von Arx, stellte mehr Personal ein und liess die Mitarbeitenden in Konfliktmanagement schulen. Mehr Stellen bedeuteten aber auch mehr Komplexität in der Einsatzplanung. Ohne ein geeignetes System war eine einigermassen zufriedenstellende Einsatzplanung nicht mehr zu machen. BOGG entschied sich deshalb für die IT-Lösung «IVU.crew» und führte dabei die automatische Personaldisposition ein . Dieses System erlaubt es den Mitarbeitenden, ihre Dienste grösstenteils selbst zu wählen. Im Modell der 7 Wesenselemente, setzte BOGG bei dem Wesenselement der Physischen Mitteln (Systeme und Ausstattung) an.

Paradigmenwechsel in der Organisation

Mit der IT-Lösung war ein grosser Paradigmawechsel verbunden. Während normalerweise die Tourenplanung nach einer fixen Zuteilung für das ganze Jahr erfolgte, konnten die Buschauffeure und -chauffeusen nun plötzlich monatlich wünschen, wie sie arbeiten wollten. Dies führte einerseits zu Anpassungen beim Wesenselement «Prozesse und Abläufe». Andererseits wurde klar, dass die Kultur und die Werte der Organisation auf mehr Eigenverantwortung hin ausgerichtet werden mussten. Eine Anpassung im Bereich «Identität» wurde notwendig und Grass Beratung wurde angefragt, diese Kulturveränderung zu begleiten.

Am ersten Workshop im Juni 2019 wurde ein breit abgestützter Teilnehmerkreis eingeladen. Wer etwas ändern wollte, konnte und musste sich nun einbringen. Mögliche Massnahmen aufgrund der Mitarbeiterbefragung wurden offen diskutiert und bewertet. Eine erste Massnahme war, dass die Funktion der Teamleiter in Zukunft ressourcenmässig, aber auch in Bezug auf Kompetenzen und Verantwortung gestärkt wurde. Das betraf das Wesenselement «Funktionen, Organe» im Modell der 7 Wesenselemente. Das bestehende Leitbild wurde von demselben Teilnehmerkreis an einem weiteren Workshop überarbeitet.

Die Teamleiter waren in der Regel in ihrer leitenden Funktion, weil sie am längsten im Team waren und nicht aufgrund ihrer Führungsfähigkeiten. Parallel wurde deshalb eine Führungsschulung für die Teamleiter im Fahrdienst aufgesetzt. Die Führungsschulung hatte die Zielsetzung, die Teamleiter systematisch in ihrer Führungsfunktion zu stärken, ihre Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten zu verbessern und ihnen so zu ermöglichen, ihre Vorbildfunktion in Bezug auf das überarbeitete Leitbild wahrzunehmen. Dies verlief allerdings nicht ohne Rückschläge, das Wesenselement «Menschen, Gruppen, Klima» war gestört: Innert kurzer Zeit kündeten ein Grossteil der Teamleiter und kehrten in ihre frühere Funktion als Buschauffeur zurück.

In der Folge mussten neue Teamleiter und -leiterinnen rekrutiert werden. Sie durchliefen ein ordentliches Bewerbungsverfahren und wurden aufgrund definierter Anforderungen ausgewählt. Die neuen Teamleiter besuchten die Führungsausbildung mit grossem Interesse. Der Rollenwechsel zwischen der Funktion als Buchchauffeur und als Führungsperson wurde bewusst wahrgenommen und gestaltet und die Teamleiter insgesamt begannen, sich als Einheit zu fühlen und entsprechend zu organisieren.

Weiche Faktoren sind entscheidend

Zurzeit läuft die Schulung aller Mitarbeitenden zum neuen Leitbild. Bei der Mitarbeiterbefragung im März 2022 zeigte sich ein vollkommen anderes Bild. BOGG hat in sämtlichen Bereichen (!) gesteigert und liegt jetzt überall über dem Branchen-Benchmark. Die Bewertung der Work-Life-Balance hat am meisten zugelegt und liegt nun im guten Bereich. Gar mit «sehr gut» bewertet wurde die Identifikation mit dem Unternehmen, die Perspektiven und der Gesamteindruck. Der Veränderungsprozess schlägt sich nicht nur in der Mitarbeiterbefragung nieder. Rückmeldungen aus Bewerbungsgesprächen zeigen, dass es sich in der Branche herumgesprochen hat, dass BOGG besonderen Wert auf weiche Faktoren und Weiterbildung legt – ein Pluspunkt, der in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wichtig ist.

Es zeigt sich einmal mehr, dass das ganzheitliche, systemische Konzept der 7 Wesenselementen grundlegend ist, um Organsiationsentwicklungprozesse erfolgreich zu strukturieren und zu gestalten. Fast alle Wesenselemente wurden während des OE-Prozesses bei BOGG angesprochen und diskutiert und es gab Anpassungen oder auch Neuausrichtungen. Derzeit beschäftigen wir uns auch mit dem Wesenselement «Struktur»: Ob aufgrund der stark gewachsenen Unternehmung nicht auch neue Organisationeinheiten notwendig werden?

Die beschriebenen Prozesse machen deutlich, dass ein Unternehmen kein statisches Konstrukt ist, sondern sich entwickelnde Organismen, die in ihrer Komplexität letztlich nie ganz fassbar sind. Gleichwohl lassen sich Unternehmen über die 7 Wesenselemente fassbarer machen und die wesentlichen Herausforderungen treten so deutlich zu Tage. BOGG hat mithilfe der neuen IT-Lösung eingebettet in die begleitende Organisationsberatung von Grass Beratung enorm an Fahrt aufgenommen und steuert in eine spannende Zukunft.

 

Referenzen:

https://www.ivu.de/alle-referenzen/referenzen/ivusuite-bei-bogg

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